Wandel der Arbeitswelt: Interview mit Dr. Tina Ruseva, Initiatorin des Big & Growing New Work Festivals

Wir haben mit der mehrfachen Gründerin, Initiatorin des Big & Growing New Work Festivals und Autorin Dr. Tina Ruseva über Digitalisierung, den Wandel der Arbeitswelt und über eine von Purpose angetriebene Arbeit gesprochen.

Alles, was Tina macht ist nachhaltig, von Dauer und beschäftigt sich mit der zentralen Frage: „Wie beeinflusst die Technologie unsere Gesellschaft?“ Aus diesem Grund hat sie Mentessa, eine Technologieplattform für den Wissensaustausch und als Matching-Plattform für Mentoring gegründet.

Nicht nur ihr Unternehmen Mentessa, auch das New Work Festival Big & Growing, welches sie 2019 ins Leben gerufen hat, beschäftigt sich mit dem Wandel unserer Arbeit. Das New Work Festival soll eine erweiterte Plattform für den Austausch aller wichtiger Parteien wie Unternehmen, Politik, Vordenkern und Personalverantwortlichen zum Thema Wandel der Arbeitswelt bieten. Daher kommt auch der Gedanke der dezentralen Organisation – eine Art Think Tank, wo Kulturen und Akteure zusammenkommen und nicht „Top Down“ vorgegeben wird, was Inhalt und Ergebnis der Konferenz sein soll. Das Festival ist vielmehr ein Open Space, bei dem die Teilnehmer das Endergebnis mitgestalten, frei nach der These:

„Die Zukunft der Arbeit gehört den Menschen.“

Was ist euer Purpose und eure Vision beim Big & Growing Festival? Warum hast du ein New Work Festival gegründet?

Der Purpose des Festivals lautet „Make Purpose Work”, ein Wortspiel aus der Frage, wie ich es schaffen kann, den Purpose zum Tragen zu bringen und der Frage, was überhaupt Purpose Work, also eine sinnhafte Arbeit ist.

Denn obwohl die meisten Unternehmen beipflichten würden, dass sie ohne Sinn und Unternehmenszweck nicht existieren könnten und sie Gutes in der Welt beitragen möchten, nimmt die Wirtschaftswelt doch auch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt in Kauf. Es scheint also, dass es nicht so einfach ist, einen Purpose auch wirklich zum Tragen zu bringen. Aus diesem Grund haben wir es uns zu unserem eigenen Purpose gemacht: „Make Purpose Work“.

Die neue Komplexität unserer Arbeitswelt fordert neue Orte, neue Kommunikation, neue Zusammenarbeit, neue Selbstführung und neue Ziele. Die neue Arbeitskultur macht den „Purpose“ zum zentralen Anker einer jeden Organisation. Aber wie geht Arbeiten mit Purpose wirklich? Dieser Frage widmet sich das Big & Growing New Work Festival.

Dabei ist für uns New Work mehr als Yoga oder Meditation, keine Hippie-Praktik – das Thema New Work ist relevant für die tägliche Arbeit, weil wir uns in Zeiten der Digitalisierung befinden. Bei der Big & Growing stützen das Thema New Work auf folgende Säulen:

  1. Neue Talente: Die Generation Z und Millenials entwickeln durch die Digitalisierung eine andere Einstellung zu Arbeit, zu Hierarchien, zur Arbeitsorganisation, Sinn oder auch zur Informationsbeschaffung.
  2. Neue Arbeitsorte: In der neuen Arbeitswelt benötigen wir ein Arbeitsumfeld, welches Transparenz fördert, wo man sich mehr austauschen kann
  3. Neue Kommunikation: Neue Wege der Kommunikation entstehen durch die neuen Talente und neuen Arbeitsorte. Es gibt mehr Empathie, Transparenz, Verständnis an unserem Arbeitsplatz. Es gibt viel mehr Kanäle der Kommunikation, ob persönlich, via E-mail, in Meetups, etc. Es ist so viel mehr Wissen und Information verfügbar.
  4. Neue Kollaboration: New Work bedeutet auch neue Zusammenarbeitsformen. Wir arbeiten mehr und mehr in agilen, selbstorganisierten Teams im Gegensatz zu hierarchisch strukturierten Teams.
  5. Neue Führung: In der neuen Arbeitswelt gibt es einen Bedarf an neuer Führung, denn selbstorganisierte Teams kann ich nicht mehr durch reine Anweisungen führen. Neue Führung braucht wiederum neue Ziele und Purpose.

Am letzten Tag der Konferenz führen wir die Ergebnisse und neuen Impulse aus der sehr dezentralen Organisation des Festivals in der Purpose Konferenz zusammen. Die Purpose Konferenz ist eine Art Arbeitskollektiv, bei der das Gelernte zusammengefasst wird, ganz im Sinne der kollektiven Intelligenz: Zusammen haben wir bessere Ideen, auch wenn es sehr komplex, mehrere Meinungen zuzulassen und diese zusammenzutragen.

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Gibt es ein zentrales strategisches Element, welches ihr für eure Ausrichtung nutzt?

Unser Team nutzt Retrospektiven, wenn wir einen Meilenstein erreicht haben. Wir stellen uns die Fragen: Was ist gut gelaufen? Was wollen wir beibehalten? Was lief nicht so gut? Was können wir anders machen? Retrospektiven sind gut für die pragmatische, kreative Weiterentwicklung. An sich dient unser Purpose als gemeinsame Ausrichtung, denn unser Purpose wiederum impliziert Ziele für die Konferenz wie Inklusion, Austausch, Diversität.

Was macht aus deiner Sicht ein starkes Team aus?

Das ist die Grundsatzfrage der Gesellschaft, nicht nur auf Organisationsebene, auch im Privaten: Was macht eine gute Ehe oder Familie aus, hier gibt es natürlich keine Schwarz-Weiß-Regel. Grundsätzlich ist für mich ein gutes Team, welches gemeinsam agiert. Ein gutes Team hat eine eigene Metapher: „Wir gestalten die Welt“ oder einen präzise gewählten Purpose. In meinem Team besteht zum Beispiel eine ähnliche Begeisterung dafür, etwas zu schaffen, Ergebnisse zu kreieren und einen Fokus auf Nachhaltigkeit zu haben, in allem was ich tue. In einem starken Team ist die Kommunikation angstfrei und offen. Ein starkes Team zeichnet sich auch durch die Bereitschaft aus, nicht perfekt sein zu wollen. Denn in einer Welt, die sich ständig verändert sind Perfektionszwänge nutzlos. Ich kann mich beispielsweise gar nicht perfekt auf eine Pandemie vorbereiten. Ich kann nur bereit sein, immer neu dazuzulernen. Ein gutes Team entwickelt sich iterativ weiter, es hält also fest, was der Ist-Zustand ist und wo es sich verbessern und die Iteration andocken möchte.

Wie kann ein Unternehmen aus deiner Sicht Kultur und Geschäftsstrategie verbinden?

Das ist die Frage überhaupt: Kultur ist das, was uns am meisten trennt und am meisten verbindet. Unsere Kultur wird von Erfahrungen aus unserer Kindheit, aus der Gesellschaft, aus Makroelementen geprägt. Die darauf aufbauende Frage ist, wie ich jetzt im Geschäftsumfeld agiere, mit einer Vielfalt an Kulturen und anderer Perspektiven, mit denen ich mich auseinandersetze und die ich zulassen muss.

Gute Unternehmen unterscheiden meiner Meinung nach nicht zwischen Geschäftsstrategie und Kultur. Wenn man Geschäftsstrategie und Kultur nicht als etwas Getrenntes sieht, sind keine KPIs notwendig. Trenne ich als Unternehmen diese Themen, bin ich sonst zum Scheitern verurteilt. Egal, was wir auf einem Strategiekonzept definieren. Am Ende haben wir als Menschen ein lineares Dasein, unsere Aussagen und Beziehungen existieren im Hier und Jetzt. Deshalb ist die Kultur so wichtig und die Fragen: Wie verhalte ich mich in meinem Arbeitsumfeld, wie schreibe ich eine E-Mail, wie bin ich zu meinen Kollegen. Aber es erfordert natürlich viel Disziplin, im Sinne der Unternehmenswerte und Kultur zu handeln.

Über Dr. Tina Ruseva

Tina studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Medieninformatik auf Diplom und arbeitete zunächst bei Microsoft. Im Anschluss daran begann sie 2007 ihren MBA an der TUM und gründete 2010 ihr Start-up GymZap. Das Unternehmen führte sie drei Jahre erfolgreich bis zur Geburt ihrer zweiten Tochter. Von 2011 bis 2015 promovierte sie in Innovationsmanagement an der Universität Sofia und arbeitete selbstständig als Start-up Coach. Weitere Karrierestationen führten sie als Programm-Managerin TechBridge zum Fraunhofer Venture und zum Werk 1 als Head of Startup Programs. Aktuell ist Tina Ruseva Gründerin und CEO von Mentessa, einer Mentoring-Software, Coach und Speakerin und Initiatorin des dezentralen Big & Growing New Work Festivals. Ihr erstes Buch „Big Heart Ventures“ erschien im März 2019.

Über Big & Growing – das New Work Festival

Big & Growing ist ein 5-tägiges Festival für alle, die die Arbeitswelt der Zukunft mitgestalten wollen. Das New Work Festival bringt Vordenker, Experten, Mentoren, Coaches, Führungskräfte, Trainer und Jobsuchende zusammen, um sich mit Gleichgesinnten über aufstrebende Trends und Innovationen im Bereich New Work auszutauschen. Vom 16. – 20. November 2020 wird es an mehr als 15 Locations in München und bei Satelliten-Events in Hamburg und Berlin über 50 verschiedene Vorträge, Diskussionen und Networkingmöglichkeiten geben.

Wir freuen uns, dass wir mit Berg & Macher als Speaker zum Thema „7 Hacks für die erfolgreiche Transformation zur agilen Organisation“ bei der Big & Growing am Start sein werden.

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www.bigandgrowing.com